Die Vereinschronik

Vom Kleingarten zum Verein

Die bestehende Notlage in der Bevölkerung vor und während des 1. Weltkrieges brachte in Chemnitz eine große Nachfrage nach Kleingärten. Im Jahr 1895 wurde in Chemnitz-Schloß der erste Kleingartenverein gegründet, bis 1918 wurden 22 solcher Gartenvereine gegründet. So entstand auch am Rande des Zeisigwaldes unsere Anlage.

Die Firma „Kurt und Martin Weber“ erlaubte auf einem Teil ihres Firmengrundstückes einigen Kleingarteninteressierten die Anlage von Gärten, um sich und seinen Nachkommen eine gute Einnahmequelle zu sichern. Noch heute, nach 90 Jahren, führen wir als Verein weiterhin jedes Jahr die Pachtsumme für das Grundstück an Weber´s Erben ab.

1913: 5 Gartenfreunde aus Chemnitz beginnen mit dem Abstecken von Gärten auf dem von der Firma „Kurt und Martin Weber“ zur Verfügung gestellten Gelände (Flst. 215y und 215z) an der Cäcilienstraße.

1916/17: Das Abstecken der Gärten und die Erschließung des Geländes mit Umzäunung, Wegen, Wasserleitung wird fortgesetzt. Einzelpachtverträge werden mit dem Verpächter abgeschlossen.

29.11.1919: Gründung des Kleingartenvereins von 11 Personen – den ersten Kleingartenbesitzern.

20.08.1921: Auf dem Amtsgericht Chemnitz erschienen Hermann Swoboda und Walter Mattheyer, um die Gründung des Gartenvereins „Waldfrieden/Hilbersdorf“ anzumelden und die Eintragung ins Vereinsregister zu beantragen. Eine Satzung des Vereines wurde übergeben.

1922: Bis zur Mitgliederversammlung am 17.6.1922 wurde diskutiert, um alle Gartenbesitzer als Vereinsmitglieder zu gewinnen. 1923 waren 123 Gärten unterschiedlicher Größe von 86m² bis 300m² verpachtet. Wenige Gärten waren größer – für Kaufmänner, Ärzte oder Lehrer. Die meisten Vereinsmitglieder wohnten in Hilbersdorf und waren Handwerker oder Fabrikarbeiter (dies geht aus dem Mitgliederverzeichnis von 1923 hervor).

Nun wurde der Beschluss gefasst, dem Stadtverband der Chemnitzer Kleingärtner (gegründet 1919), der seit 1923 dem Landesverband Sachsen der Schreber- und Gartenvereine angehört, beizutreten.

1923: Ein Kinderfest wird organisiert. Die Mitgliederversammlung am 27.10.1923 beschließt die Verlängerung der Wasserleitung und den Bau eines Verwaltungsgebäudes, welches durch die Ausgabe von Anteilscheinen finanziert wurde.

Zwischen 1925 & 1930 blühte das Vereinsleben auf

Im Jahre 1930 wurde ein großes Stiftungsfest in „Bochmanns Ballhaus“ veranstaltet - mit Konzert, Festrede und Ball!

1926: Jedes Mitglied muss pro Jahr 8 Arbeitsstunden leisten. Bei Nichtleistung sind 10 Mark je Stunde zu zahlen. Der Bau einer Ergänzungsunterkunftshalle, dem Vorläufer unserer jetzigen Veranda, wurde begonnen.

1928–1933: Ein regelmäßiges Spartenleben entwickelt sich. Sommerfeste, Kinderfeste, regelmäßige Zusammenkünfte, Jugendarbeit und Einsatzfreude bei vielen Bauvorhaben: Ausbau des Heim-Kellers und eine Stromleitung zum Heim.

10.08.1932: Die neue Veranda wird am 10.8.1932 eingeweiht. Es gibt Streit mit dem Verpächter –> das Pachteinigungsamt und der Landesverband werden eingeschaltet.

1933 - Das Vereinsleben wurde auf Weisung neu organisiert!

1933–1945: Mit Beginn des Faschismus werden umfangreiche Veränderungen im Vereinsleben spürbar: In der außerordentlichen Hauptversammlung am 18.11.1933 muss der Vorstand sein Amt niederlegen und der „Vereinsführer“ wird ernannt. Ab 1942 gibt es keine Leitung mehr. Die neuen Satzungen sahen Schulungen und Pflichtveranstaltungen aller Mitglieder vor. Bei Nichtbesuch erlosch die Mitgliedschaft.

Vereinsleben von 1945 bis 1969

1945–1950: 6 große Bombentrichter hatten das Vereinsgelände zerwühlt und etliche Lauben zerstört – also gab es viel Arbeit! Neue Lauben entstanden nach dem Krieg aus den Resten der alten Lauben.

26.5.1945: Herr Körner ergriff sofort die Initiative und übernahm die Leitung und die Neuwahl eines Vorstandes bei freier Meinungsäußerung.

1949: Am 22.10.1949 wurde im Turnerheim Terrassenstraße eine große Veranstaltung anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Vereines mit 161 Anwesenden durchgeführt.

1950-1954: Herr Richter übernahm die Leitung zur Neugestaltung der Gartenanlage und Entwicklung des Gemeinschaftslebens. Ein Vergrößerungsbau des Gartenheimes mit unmittelbarem Zugang zur Veranda wird unter hohem Aufwand am 5.7.1954 eröffnet. Viele Gartenfreunde übernahmen Anteilsgutscheine zur Finanzierung mit 2,00, 5,00 und 10,00 Mark. Der Heimumsatz erfuhr danach eine außergewöhnliche Steigerung. 1954 wurde erstmalig eine Weihnachtsfeier für die Rentner durchgeführt.

1954: Der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter „VKSK“ wird in der DDR gegründet. Die Sparte Waldfrieden/Hilbersdorf gehört zum Stadtverband.

1959: Es wird der zentralistische Aufbau des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter in der DDR vollzogen. Zur Gründungsveranstaltung in Karl-Marx-Stadt sind auch Delegierte unserer Sparte dabei. Der Bezirksverband Karl-Marx-Stadt ist mit 111.000 Mitgliedern in 1400 Sparten der größte Bezirksverband. Auf Anregung des Kreisverbandes entstand auch in unserer Sparte ein Parteiaktiv von 20 Genossen unter Leitung von Herrn Otto Wagler.

03.04.1963: Im Rahmen der Gleichberechtigung der Frauen wird eine 1. Frauenversammlung mit 12 Gartenfreundinnen durchgeführt und ein Frauenaktiv mit der Vorsitzenden Frau Pfeilschmidt gegründet. Ein Frauenforum des Kreisverbandes des VKSK wird unter Teilnahme von 2 Delegiertinnen der Sparte Waldfrieden/Hilbersdorf in der „Hilbersdorfer Höhe“ durchgeführt.

22.11.1969: Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen unserer Sparte im Klubhaus Chemnitztalstraße und Erarbeitung einer ersten Chronik unseres Vereinslebens, welche von den Gartenfreunden Fritz Tippmann und Werner Süß erarbeitet wurde. Der Verein umfasst zu diesem Zeitpunkt 92 Gartenmitglieder und 71 Ehegattenmitglieder.

Vereinsleben von 1970 bis 1999

1979-1981: In der Sparte wird die Aktion „Bester Kleingärtner“ durchgeführt – jedes Gartenmitglied füllt jährlich die Formulare über den Anbau von Obst und Gemüse aus; 20 Urkunden als „Bester Kleingärtner“ werden ausgegeben.

1980: Küchenan- und Umbau des Gartenheimes: Die Planungsunterlagen wurden von Gerhard Flatter erstellt mit einem Kostenanschlag von 54.000 Mark. Die Küche wird abgerissen und mit 76 m² neu erstellt. Der Kellerraum bleibt als Fasslager erhalten. Die Planung enthält Maurerarbeiten, Betonarbeiten, Rohrverlegung, Putz- und Fliesenarbeiten, Dachdeckungsarbeiten mit den dazugehörigen Zeichnungen – eine Meisterleistung! Alle Arbeiten wurden von Gartenfreunden ausgeführt.

1982-1984: Eine weitere große Gemeinschaftsaufgabe ist die Neugärtengewinnung: Am Rande unserer Sparte liegt Richtung Dresdner Straße das Kindergartengelände des Schlachthofes mit großem Garten und Sportplatz, welches wenig genutzt wird. Im Schriftverkehr mit der Schlachthofleitung erreicht Herr Neubert als Vorsitzender die Freigabe und das Anlegen von 6 neuen Gärten. Umfangreiche Arbeiten beginnen am „Neuland“. Zur Wahlversammlung 1982 werden die Fleißigsten ausgezeichnet. Am 31.8.1982 werden per Losentscheid die neuen Gärten an die Pächter verteilt.

1990: Wendezeit – alles wird anders. Der VKSK als Träger unserer Sparte wird aufgelöst. Alle Gartenanlagen der Stadt müssen sich als Verein neu eintragen lassen.

09.06.1990: „Stadtverband Chemnitz der Kleingärtner e.V.“ wird gegründet.

23.06.1990: „Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V.“ (LSK) wird gegründet.

20.08.1990: Der Kleingartenverein „Waldfrieden/Hilbersdorf e.V.“ wird unter der Nr. 319 ins Vereinsregister der Stadt Chemnitz aufgenommen. Damit ist der Verein rechtsfähig.

1992: In der Mitgliederversammlung wird Dieter Haubold in den Vorstand als Verantwortlicher zur Strom- und Wasserabrechnung kooptiert und danach werden für alle Parzellen Wasserzähler eingebaut. Zur Energieabrechnung werden Zählerkarten eingeführt.

1994-1995: Die Satzung unseres Vereins muss neu formuliert werden. Die Pachtverträge mussten ebenfalls der neuen Rechtsform angepasst werden. Die Stadt Chemnitz und damit auch Weber´s Erben möchten einen höheren Pachtzins.

1995: Durch den Gesetzgeber wurde die Grundsteuer B für Lauben über 24 qm eingeführt und dazu mussten die Pächter einzeln Angaben an den Vorstand übergeben. Unratablagerung im Zeisigwald wird mit hoher Strafe bedroht. In der Heimbewirtschaftung gibt es Probleme. Die Gaststätte wird zur Bewirtschaftung verpachtet, die Pächter zahlen eine monatliche Pachtsumme, aber die Erhaltung des Gebäudes ist Sache des Vereins.

1996: In der Mitgliederversammlung wird abgestimmt: Soll sich der Kleingartenverein auflösen aufgrund der veränderten Anforderungen? Alle stimmen für das Weiterbestehen des Vereins. Damit ist die kleingärtnerische Nutzung von allen Gartenmitgliedern einzuhalten. Ab 1998 ist die vom Stadtverband festgelegte Pacht von 0,28 DM je m² zu zahlen.

Vereinsleben ab 2000

2002: Schlimm beginnt dieses Jahr - am Morgen des 16.1.2002 wird unsere Heimgaststätte in Brand gesetzt. Unter der Eingangstür wurde ein Brandsatz durchgeschoben. Da die Stahltür zum Verandadurchgang glücklicherweise geschlossen war, wurde der hintere Teil (Veranda und Toiletten) nicht zerstört. Der ganze vordere Gaststättenbereich samt Küche ist schwarz verkohlt. Es entstehen Diskussionen, ob man das Heim wieder vollständig aufbaut oder wie in anderen Anlagen den Gebäudeumfang auch aus Kostengründen reduziert. Herr Dorniß organisiert eine Unterschriftensammlung von 34 Gartenfreunden, welche am 4.3.2002 übergeben wird. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1.4. 2002 stimmt die Mehrheit für den vollständigen Wiederaufbau. Bis zum Herbst kann die neu erstellte Gaststätte mit einer Feier für die Helfer von Familie Lovacz als Gaststättenehepaar wieder eröffnet werden.

Bereits in diesen Jahren wird unser Verein durch einen großen Abwasserkanal, der einen großen Teil des Abwassers von Hilbersdorf führt, bei Starkniederschlägen überflutet und es kam auch zu Ausspülungen auf Parzellen und Wegen. Damit begann der Kampf mit dem Eigentümer und Betreiber Stadtwerke Chemnitz bzw. Abwasserentsorgung. Nach langen Kämpfen mit den zuständigen Behörden ist es uns gelungen, den Betreiber des tief unter uns verlegten Abwasserkanals, die Stadtwerke Chemnitz, dazu zu bringen die notwendigen Veränderungen vorzunehmen (in 2005 ausgeführt).

2005: Mit dem Nachbarverein „Waldblick“ wird wegen der gemeinsamen Nutzung und dazugehöriger Pflege des Weges „Sperlingsgasse“ verhandelt. Unser Verein übernimmt Erhaltungsarbeiten und die Sparte „Waldblick“ beteiligt sich an den Kosten.

2007: Vandalen ziehen wieder durch die Umgebung. Nicht nur die Gaststätte wurde beschmiert, sondern auch andere Einrichtungen. Wir schalten die Polizei ein und überstreichen das „Gemälde“.

2009: Die Wasserzähler sind nach 6 Jahren zu erneuern. Die gesamte Aktion der Auswechslung soll, nach Angebotseinholung, von einer Firma im April 2009 erfolgen. In der Mitgliederversammlung ist auch über eine Satzungsüberarbeitung abzustimmen.

Im Jahre 2009 begehen wir das 90-jährige Bestehen unseres Kleingartenvereins, der im November 1919 gegründet wurde. Eine Chronik wird von Familie Kunze erstellt.